Das Rathaus in Osnabrück.

Politik, Wirtschaft und Gesellschaft

Schwedenplan von 1633
Schwedenplan
Schwedenplan 1633
Heger Straße
Heger Straße
Osnabrück von Osten 1572
Osnabrück 1522
Osnabrück von Osten 1522
 
Die älteste bekannte Osnabrücker Stadtansicht stammt aus dem Jahre 1572 vom Kölner Theologen Georg Braun. Die Ansicht vermittelt einen Gesamteindruck der Stadt mit Stadtmauer, Befestigungswerk und den wichtigsten Gebäuden wie Rathaus, Marienkirche, Dom, Dominikanerkloster, Johanniskirche und Katharinenkirche sowie dem Kloster auf dem Gertrudenberg am rechten Bildrand, außerhalb der Stadtmauer.

Einen noch plastischeren Eindruck vom Aussehen der Stadt während des Dreißigjährigen Krieges vermittelt die Ansicht Wenzel Hollars von 1633. Nimmt man den ältesten bekannten topografischen Plan der Stadt Osnabrück aus dem Jahre 1633 hinzu, den die Schweden wahrscheinlich anlässlich ihrer Belagerung der Stadt im selben Jahr erstellt hatten, so erkennt man die wichtigsten Grundzüge der Stadt. Ein Hauptmerkmal war die Zweiteilung in Alt- und Neustadt. Besonders auffällig erscheint außerdem die Befestigungsanlage der Petersburg am unteren rechten Bildrand. Weitere Bauwerke wie Kirchen sind teilweise eingezeichnet, einfache Häuser jedoch weitgehend weggelassen.

Ein Augenzeuge berichtet

Ein recht lebendiges Bild der Stadt Mitte des 17. Jahrhunderts vermittelt uns die Beschreibung eines Besuchers, des Abbé Joly. Er schreibt:

"Osnabrück ist eine Stadt, gelegen an einem kleinen Flusse mit Namen Hase (Hasa) in dem alten Brockmerlande, welches heute einen Teil von Westfalen ausmacht. ... Die Stadt ist nicht gerade weniger groß als Münster, aber viel weniger bevölkert, schlecht gebaut und schmutzig. Sie erstreckt sich mehr in die Länge, als in die Breite. Sie hat ihre Längenausdehnung von dem Ufer der Hase auf der einen Seite, wo die große Straße anfängt, welche vor dem Kirchweg der Hauptkirche hergeht, bis zum Johannisthor.

Es gibt eine andere Straße, welche auf der einen Seite an der St. Marien-Kirche endigt, wo ein mittelmäßiger Platz ist und das Rathaus, welches klein ist; und noch eine dritte, welche am Jakobinerthore (Dominikaner) anfängt und, nachdem sie diese zweite durchschnitten, in die große mündet. In diesen drei großen Straßen sind die ersten Kaufleute und die besten Häuser der Stadt; die anderen sind nur von armen Leuten und unansehnlichen Gebäuden gefüllt und sogar einige von ihnen nicht einmal gepflastert.

Was die Kirchen betrifft, so ist die Kathedrale, welche den Namen des heiligen Petrus trägt, klein und von einer ziemlich gewöhnlichen Bauart. ... Die Kirche von St. Marien war ehemals eine Pfarrkirche, jetzt ist sie in Besitz genommen von den Protestanten, welche die Bilder und den Altar darin gelassen haben. ... Nicht weit von St. Marien wohnen die Jakobiner (Dominikaner), deren Kirche bescheiden ist. ... Das sind die Kirchen der Altstadt; am Ende derselben ist ein Thor, wo eine neue Stadt beginnt. Dort ist die Kirche der Jesuiten, welche daraus verjagt wurden, als die Stadt von den Schweden eingenommen war. ... Weiter hinauf ist die St. Johannis-Kirche, eine alte Stifts- und Pfarrkirche zugleich.

Ich sah in der ganzen Stadt nur einen Buchhändler, welcher auch zugleich Buchbinder war. Ich trat in seinen Laden und sah dort eine lateinische Weltbeschreibung des Sebastian Münster, welche vielleicht das beste von seinen Büchern war. Ich kaufte sie, weil sie mir gut erhalten schien, obgleich er mir dieselbe teuer verkaufte, denn wie die guten Bücher in jenen Gegenden seltener sind, als in Frankreich, so sind sie dort auch teurer und man stellt sie den Fremden noch höher im Preise.

Außerhalb der Stadt auf einem kleinen Hügel jenseits des Haseflusses war ehemals eine schöne Abtei der Ordensgenossinnen des heiligen Benedict, genannt St. Gertrudis; aber sie wurde im Jahre 1636 gänzlich verbrannt und zerstört von den Schweden, welche fürchteten, die Kaiserlichen könnten sich derselben zur Wiedereroberung der Stadt bedienen. Man baute dieselbe während unserer Anwesenheit daselbst wieder auf und es wurde mir von einem Ordensgeistlichen des Hauses gesagt, daß einer der schwedischen Bevollmächtigten, obgleich von anderem Glauben, eine ansehnliche Summe zur Wiederherstellung derselben hergegeben hätte. ...

Rechter Hand von St. Gertrudis jenseits des Haseflusses liegt die Zitadelle, auf lateinisch arx petrina oder St. Petriburg genannt, welche klein, aber sehr regelmäßig ist; sie hat drei Bastionen und zwei halbe Monde; die Gräben sind sehr breit und gut mit Wasser gefüllt. Sie hat zwei Thore: das eine, um von der Stadtseite hinter St. Johann hineinzukommen, das andere, um herauszukommen, mit Namen Andreasthor, mit verschiedenen Zugbrücken und bei jedem Thore ein mit Wasser umgebenes und von der Zitadelle getrenntes Bollwerk. ...

Von dieser Stelle und noch besser von St. Gertrudis aus übersieht man bequem die ganze Stadt und ihre Umgebung, welche äußerst angenehm ist, ein kleines Thal voll Gärten und Wiesen, durch welche mitten hindurch der kleine Hasefluß sich schlängelt; außerdem gibt es dort fruchtbare Ländereien, die gut bebaut und bepflanzt sind und weiter fast im ganzen Umkreise zeigen sich niedrige Gebirge, von denen einige mit Wald bedeckt sind."


Die Beschreibung des Abbé Jolly vermittelt zwar einen Gesamteindruck vom Aussehen der Stadt, gibt aber keinen Aufschluss über die konkreten Lebensumstände- und Bedingungen der Bewohner Osnabrücks. Noch erhaltene Häuser aus der damaligen Zeit lassen dagegen erahnen, wie die Menschen gelebt haben.

Leben und Wohnen

Große Einfahrtstüren führten auf geräumige Dielen. Die Dielen wurden je nach Beruf der dort wohnenden Familie als Werkstatt oder Warenlager benutzt. Am Ende der Diele befand sich ein offener Herd, an dem sich die Familie hauptsächlich aufhielt. Neben diesem Hauptraum lagen oft Ställe. Hinzu kamen schlichte Kammern. Die Einrichtung der Häuser war sehr einfach: An Eichenholzmöbeln standen nur wenige Stücke wie Stühle, Tisch und Truhe zur Verfügung. Die Wände waren weiß getüncht, der Boden bestand aus festgestampftem Lehm. Der Wohnkomfort war insgesamt sehr niedrig. Davon abheben konnten sich nur die Hoflagen des Adels aus Stadt und Land. Hier gehörten Steinwerk, Torhaus und Palas, Wohndeele und Festräume zu den Wohnanlagen. Dennoch griff auch der Adel auf die typischen Merkmale des Osnabrücker Bürgerhauses zurück.

Politik

Das politische Leben in der Stadt wurde zu Beginn des 17. Jahrhunderts maßgeblich durch den Rat geprägt. Ab 1348 war der Wahlmodus des Stadtrates festgelegt. Das komplizierte und sich ausdehnende Regelwerk wurde im 16. Jahrhundert vereinfacht, bleibt aber dennoch für heutige Betrachter schwer nachvollziehbar. Grob umschrieben gab es einen 24-köpfigen Ausschuss, der aus ehemaligen Ratsmitgliedern, der Weisheit, Gilden- und Wehrvertretern (Vertretern des Lehrstandes, der Stadtversorgung mit Gütern und der Verteidigung) bestand, und einen "Engen Rat", der als Arbeitsausschuss drei Bürgermeister (zwei aus der Altstadt, einen aus der Neustadt), einen Ratssenior, ein Ratsmitglied und die vorsitzenden Alterleute aus den Gilden und der Wehr aufwies. Hinzu kamen die städtischen Beamten Syndikus und Sekretär. Nur der Teil der Osnabrücker Bevölkerung, der als Bürgerschaft anerkannt war, konnte sich aktiv am politischen Leben und den Wahlen beteiligen. Um das Bürgerrecht zu erwerben, musste man Grundbesitz in der Stadt haben, das Bürgergeld an den Rat zahlen und den Bürgereid schwören.

Der vom Domkapitel gewählte Bischof musste sich mit diesen starken und mächtigen städtischen Gremien arrangieren, wodurch das Leben in der Stadt deutlich von religiösen Gegensätzen bestimmt wurde.

Das wirtschaftliche Leben

Das wirtschaftliche Leben Osnabrücks wurde auch durch die Landwirtschaft geprägt. Bürger der Stadt fanden sich bereits seit dem Ende des 16. Jahrhunderts in Laischaften zusammen und organisierten zum Beispiel die Weidewirtschaft gemeinsam. Hinzu kamen Handwerk und Handel, die zumeist in Gilden und Zünften organisiert waren. Im 16. Jahrhundert erlangte die Wollverarbeitung eine große Bedeutung. Des Weiteren war Leinwand ein Hauptexportartikel der Stadt. Darüber hinaus war Osnabrück nachweisbar seit 1418 Hansestadt. Größere Bedeutung für die städtische Wirtschaft hatte allerdings der Handel mit benachbarten Städten.

Wie viele Bewohner Osnabrück im 17. Jahrhundert hatte, ist nicht genau bekannt. Schätzungen zu Folge sollen zwischen 8.000 und 10.000 Menschen in der Stadt gewohnt haben.

Das gesellschaftliche Leben spielte sich in den einzelnen Gruppierungen, wie den Gilden und Zünften, ab. Die Position innerhalb der städtischen Gesellschaft bestimmte, wie die betreffende Familie zum Beispiel eine Hochzeit feierte: Wie viele Personen wurden eingeladen, welche Kleidung getragen und aus wie vielen Gängen bestand das Festmahl. Das gesellschaftliche Leben war stark reglementiert, und nicht alle konnten gleichermaßen daran teilnehmen.

 

Suche

Veranstaltungen

Veranstaltungskalender für die Region Osnabrück und das Münsterland

zum Veranstaltungskalender

Bilder, Podcast, Videos

Bildergalerien

Bildergalerien Wie war's? Erfahren Sie es in unserer kleinen Galerie. mehr

Podcast

Podcast Audio-Beiträge der Stadt Osnabrück und des osradios. mehr

Osnabrück im Film

Film Programmkino der ganz besonderen Art. mehr

Soziale Netzwerke

  • YouTube
  • Flickr
  • Twitter
  • Facebook
  • Google Plus
  • RSS
  • PodCast

Soziale Netzwerke sind wegen zum Teil mangelhaften Datenschutzes in der Kritik. Dennoch wird die Stadt Osnabrück auch weiterhin in den gängigen Sozialen Netzwerken vertreten sein. Bitte beachten Sie dort die jeweiligen Angaben zum Datenschutz und zu den Allgemeinen Geschäftsbedingungen. Die Stadt Osnabrück übernimmt keine Gewähr für die Einhaltung der Datenschutzbestimmungen der einzelnen Sozialen Netzwerke.