Vielleicht haben Sie es ja selbst schon einmal beobachtet: In Ihrer Nachbarschaft wird ein Haus abgerissen und an der Stelle nicht gleich neu gebaut: Es dauert nicht lange und auf dem Grundstück übernimmt die Natur wieder das Zepter. Erst bildet sich ein grüner Schimmer auf dem Schutt, ein Jahr später sind schon einige Blümchen zu sehen, es folgten Gräser und Stauden, dann Büsche und bald ist das Areal wild bewachsen und würde einen perfekten Abenteuerspielplatz für Kinder abgeben.
Genauso verhält es sich nicht nur auf Schuttplätzen, steinigen Böschungen und Gleisanlagen, sondern auch auf größeren Flächen, wie wir sie beispielsweise hinter dem Osnabrücker Bahnhof finden. Hier, zwischen Buerscher Straße und Franz-Lenz-Straße, wurde 1871 das Eisen- und Stahlwerk Osnabrück in Betrieb genommen. Später firmierte der Betrieb unter Klöckner-Werke AG. Seit 1985 produziert im östlichen Teil des Werksgeländes die Firma Magnum, der westliche Teil des Areals liegt brach. Hier können sie jetzt der Natur bei ihrer Arbeit zusehen.
Die "Pioniere" haben schon ganze Arbeit geleistet. So werden Pflanzen genannt, die relativ anspruchslos in Bezug auf Böden und Nährstoffe sind. Außerdem sind diese "Erstsiedler" auf Grund hoher Samenproduktion in der Lage, sich schnell zu vermehren. Damit wären wir wieder bei den Fachausdrücken: Diese "Ruderalpflanzen", die ihren Namen vom lateinischen Wort rudus = Schutt haben, sorgen dafür, dass sich in den ersten Jahren eine Humusschicht bilden kann, die wiederum als Nährboden für Staudenvegetation fungiert. Bei ungestörtem Verlauf bildet sich nach einigen Jahren eine dicke Erdschicht und macht so eine Ansiedlung von Gehölzen möglich.
Auf dem Gelände, das mittlerweile den Namen "Hasepark" trägt und als Gewerbegebiet ausgeschrieben wurde, sollen sich nach dem Wunsch der Stadtentwickler wieder viele Firmen ansiedeln. Also wird die wirtschaftliche Entwicklung zeigen, ob es auf dem Areal in Zukunft grün wuchert, oder ob genügend Betriebe bereit sind, sich hier zu engagieren.
Egal, ob kleines Baugrundstück oder große Industriebrache, und egal, ob die Natur ihre Chance für ein Jahr oder für zehn Jahre oder gar länger bekommt, jede Ruderalflur ist Zugewinn an nicht versiegelten, begrünten Flächen für die Stadt.











