Das Rathaus in Osnabrück.

Raketenpionier

Reinhold Tiling (1893-1933)

Reinhold Tiling
Reinhold Tiling
Reinhold Tiling wurde am 13. Juni 1893 im fränkischen Absberg als Sohn eines Pastors geboren. Nach dem Abitur begann er Maschinenbau und Elektrotechnik zu studieren. Als 1914 der Erste Weltkrieg ausbrach, wurde der junge Student eingezogen. 1915 meldete er sich freiwillig als Flieger zur neu entstandenen Luftwaffe.

Nach dem Krieg blieb Tiling der Fliegerei treu. Mit gewagten Flugvorführungen machte er sich einen Namen als Kunstflieger. 1926 kam Tiling nach Osnabrück: Er wurde Flugleiter auf dem im Aufbau befindlichen Flugplatz Netter Heide. Bald war jedoch zu erkennen, dass der Osnabrücker Flugplatz für eine dauerhafte Nutzung durch den Linienverkehr nicht geeignet war und keine Zulassung als regulärer Flughafen bekommen würde. Deshalb beschäftigte sich Tiling zunächst nebenberuflich mit der Raketentechnik und begann 1928 mit Raketen zu experimentieren. Es war eine Zeit, in der sich eine Vielzahl von Forschern und Technikern der Entwicklung von Raketen zuwandten. Einer von ihnen war Wernher von Braun, bekannt als (wegen seiner NS-Vergangenheit nicht unumstrittener) Konstrukteur der Mondrakete.

Unterstützung erfuhr Tiling von Gisbert Freiherr von Ledebur, der ihm 1929 auf seinem Schloss Ahrenshorst in Bohmte bei Osnabrück eine Werkstatt zur Verfügung stellte. Mit großem Erfolg fand im Juni 1929 die erste Flugvorführung für Vertreter aus Wirtschaft und Verwaltung statt: Die Rakete erreichte eine Höhe von etwa 1000 Metern.

Seinen größten Erfolg in der Öffentlichkeit erzielte Tiling mit dem ersten Start einer "Postrakete" am 15. April 1931 auf dem Ochsenmoor am Dümmer. Dabei beförderte die Rakete 188 Postkarten einige Minuten durch die Luft und brachte sie in der Nähe des Startplatzes unversehrt auf den Boden zurück. Tilings Ziel war, mit Raketen reguläre Post zu transportieren, zum Beispiel zu den Nordsee-Inseln.

Bei zahlreichen weiteren Starts stellte Tiling die Leistungsfähigkeit und Zuverlässigkeit seiner Raketen unter Beweis. Auf seine neuartigen Konstruktionen erhielt er zahlreiche Patente. Tiling war in ganz Deutschland berühmt und zeigte seine Raketen bei vielen öffentlichen Flugvorführungen. Tilings Raketen waren Feststoffraketen; andere Forscher wie Wernher von Braun arbeiteten dagegen an der Entwicklung von Raketen mit flüssigen Treibstoffen.

Am 10. Oktober 1933 kam es in seiner Werkstatt bei der Vorbereitung einer Vorführung zu einem tragischen Unglücksfall: Beim Pressen des Pulvers zum Füllen der Rakete überhitzte es sich offenbar und explodierte. Reinhold Tiling, seine Assistentin Angela Buddenböhmer und sein Mechaniker Friedrich Kuhr erlitten so schwere Verletzungen, dass sie am nächsten Tag verstarben. Einige Jahre lang führte Reinhold Tilings Bruder Richard die Arbeiten fort. Die Versuche fanden inzwischen auch Interesse bei der Wehrmacht. Im November 1939, kurz nach Beginn des Zweiten Weltkriegs, wurden die Arbeiten auf staatliche Anweisung beendet, da die Militärs Flüssigkeitsraketen für ihre Zwecke offenbar den Vorzug gaben.

Reinhold Tiling konnte nicht erleben, dass die Realität heute seine Visionen weit überholt hat und dass Feststoffraketen aus der Raketentechnik nicht mehr wegzudenken sind.

Dr. Werner Gieseke

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