Mathias Wieman wurde am 23. Juni 1902 in Osnabrück als Sohn des Gerichtsassessors Carl Philipp Anton Wieman und seiner Frau Louise, geboren. Sein Geburtshaus, ein großer Patrizierbau an der Johannisstraße, wurde im Zweiten Weltkrieg ein Opfer der Bomben.
In Osnabrück, Wiesbaden und Berlin aufgewachsen, wo er nach dem Abitur vier Semester Philosophie, Kunstgeschichte und Sprachen studierte, wollte Mathias Wieman eigentlich Flugzeugkonstrukteur und Flieger werden, doch war der Drang zum Schauspiel stärker. Er begann nach zwei Jahren Wanderbühne bei Hans Holtorf ("Maskenwagen"), 1924 bei Max Reinhard in Berlin und trat bereits 1925 in einem Stummfilm auf. 1929 wechselte er zum Deutschen Theater Berlin unter Heinz Hilpert und machte seither "Scherenschleiferarbeit", wie er seine Gastverpflichtungen nannte. Er verkörperte in zahlreichen klassischen und modernen Rollen vor allem eigenwillige, grüblerische Naturen. Seit 1932 hatte er nach Schließung des Deutschen Theaters kein festes Bühnenengagement mehr, sondern trat ausschließlich als Gastschauspieler auf und war viel beschäftigt beim deutschen Tonfilm ("Der Schimmelreiter", "Das blaue Licht").
Während des Krieges und nach 1945 ist Wieman vor allem als Rezitator mit selbst zusammengestellten Programmen aufgetreten, wobei Goethe und Hölderlin im Mittelpunkt standen. Auch im Rundfunk war er mit seiner verinnerlichten Sprechweise oft zu hören. Er zählte bereits damals zu den namhaftesten deutschen Schauspielern, der auch im Nachkriegs-Spielfilm viele Rollen darstellte ("Königliche Hoheit", "Robinson soll nicht sterben", "Angst"). Am 19. Februar 1958 erhielt Mathias Wieman während eines Gastspiels im Osnabrücker Theater am Domhof die Möser-Medaille der Stadt Osnabrück. 1957 folgte er einer Verpflichtung ans Züricher Schauspielhaus und wurde Mitglied des Hamburger Thalia-Theaters und der Münchner Kammerspiele. Am 3. Dezember 1969 ist Mathias Wieman in Zürich an den Folgen einer Operation verstorben. Drei Jahre später wurden die Urnen Wiemans und seiner Frau, der Schauspielerin Erika Meingast, in der Familiengruft auf dem Johannisfriedhof in Osnabrück beigesetzt.
Heiko Bockstiegel





